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Einsatz digitaler Medien in der Lehrerausbildung – ActivBoards und ActivInspire

Lehrerausbildung mit ActivBoards

Derzeit vollzieht sich ein großer Wandel an Deutschlands Schulen: Die Lehrergeneration, die die Schule jahrzehntelang geprägt hat, geht nach und nach in den Ruhestand. Auf sie folgen junge Lehrer, Ende 20, Anfang 30, denen die Aufgabe obliegt, die Schulen und ihre Schüler in eine Zu­kunft zu führen, in der digitale Medien auch aus dem Unterricht nicht mehr wegzudenken sind. Das Landesinstitut für Schule in Bremen, zuständig für die Aus- und Weiterbildung von Lehrern, weiß um diese Herausforderung und setzt bei der Ausbildung der Lehramtsanwärter alles daran, diese auf einen zeitgemäßen Unterricht unter Einsatz interaktiver Whiteboards und anderer Medien vorzu­bereiten. Keine leichte Aufgabe, denn die Erfahrung zeigt, dass längst nicht alle Re­ferendare wäh­rend des Studiums bereits mit entsprechenden Medien in Berührung gekommen sind.

Das Landesinstitut für Schule der Freien Hanse­stadt Bremen (LIS) ist eine Einrichtung des Se­nats für Bildung und Wissenschaft und hat die Auf­gabe, die Schulen im Stadtstaat Bremen bei ihrer Ent­wicklung zu unterstützen. Dazu gehört ne­ben der Curriculumsentwicklung vor allem die Aus­bildung von ca. 500 Lehramtsanwärtern jährlich für alle Schulformen sowie die Weiter­bildung von Lehrkräften. Zum LIS gehört auch das Zentrum für Medien, das die verschiedenen Ak­teure im Hinblick auf die Ausstattung mit neuen Medien und den Einsatz dieser Medien im Un­terricht berät und entsprechende Kursange­bote macht. Dank der engen Verzahnung von Aus- und Wei­terbildung und dem Medi­enzent­rum am LIS ist das Studienseminar mittlerweile sehr weit, was den Einsatz digitaler Medien in der Lehrerbildung anbelangt: Es ist mit WLAN ausgestattet, in den Seminaren werden Lern­plattformen, Wikis und Blogs genutzt. Au­ßer­dem sind seit 2012 in­teraktive Whi­teboards im Einsatz, darunter ActivBoards von Promethean, mit denen die angehenden Lehrer unterrichtet werden.

Die Herausforderung – fehlende Medien­bildung bei jungen Lehrern

Der Generationswechsel von Lehrern an deut­schen Schulen ist in vollem Gange. Seit 2000 sind bereits rund 250.000 neue Lehrer einge­stellt worden, eine weitere Viertelmillion wird bis 2020 folgen, um die Lehrer, die in den 1970er Jahren im Zuge der Bildungsexpansion einge­stellt wurden, abzulösen. Die Chancen, frischen Wind in die Klassen­räume zu bringen, stehen also derzeit so gut wie seit vierzig Jahren nicht mehr. Wer aller­dings glaubt, dass der Generati­onswechsel allein schon für eine Modernisierung des Unterrichts reicht, wird zumindest im Hin­blick auf die Nut­zung zeitgemäßer digitaler und interaktiver Me­dien für den Unterricht schnell eines Besseren belehrt, wie Professor Dr. Rudolf Kammerl von der Uni­versität Hamburg festge­stellt hat. Er schildert die Situation in seinem bereits 2009 veröffent­lichten Artikel „Medi­enpädagogik in der Lehrer­bildung – Fehlan­zeige“ (Tendenz, Bd. 4; München; S. 12-14) folgendermaßen: „Die Schulab­gänger weisen jenseits einfacher instru­menteller Fertig­keiten große Defizite in der Me­dienkom­petenz auf. […] Die meis­ten Lehramtsstudenten erfah­ren keine oder kaum medienpädagogische Aus­bil­dung. […]“ – Er spricht von einem „Teufels­kreis feh­lender Medi­enbildung“, denn diese Lehrer mit großen Defizi­ten in der eigenen me­dienpäda­gogischen und -di­daktischen Ausbil­dung seien kaum in der Lage, ihre Schüler mit einer kompe­tenten Nut­zung neuer Medien im Unterricht vertraut zu ma­chen. Durchbro­chen werden könne dieser Teufelskreis „durch spezifi­sche und verbindliche medienpä­dagogi­sche An­gebote im Unterricht, in der Aus­bildung an den Universitä­ten und in der Fort- und Wei­terbil­dung im Rah­men der Schulpraxis“, so Kammerl.

Die Lösung – ein Masterplan und die Qualifizierung von Lehrern am ActivBoard  

Auch am LIS in Bremen hoffte man darauf, dass die kommende Generation von Lehramtsanwär­tern als so genannte Digital Natives bereits das nötige Rüstzeug mitbrin­gen würden, um künftig qualifiziert unter Einsatz digitaler Medien zu unterrichten. „Die Realität sieht derzeit noch etwas anders aus“, bilanziert Dr. Rainer Ballnus, Leiter des Zentrums für Medien am LIS. „Un­sere Re­feren­dare bringen zwar ge­wisse Bedien­fertigkei­ten mit, ihnen fehlt je­doch die medien­pädagogi­sche Kompetenz.“  Um dem etwas entgegenzusetzen, hat das LIS einen „Masterplan Medienbildung“ entwickelt, dessen Ziel es ist, „die strukturellen und qualita­tiven Voraussetzungen zu schaffen, damit Schü­lerinnen und Schüler Medienkompetenz erwer­ben können, und Lehrkräfte in der Lage sind, die Unterrichtsqualität mit Hilfe digitaler Medien systematisch zu verbessern.“

Mit Hilfe dieses Masterplans wird in Bremen erstmals ver­sucht, alle Bereiche der Medienbil­dung zu syn­chronisieren – von der Ausstattung der Schulen über einen „Bildungs­plan Medien­bildung“ bis hin zur Bereitstellung digitaler Un­terrichtsmate­ria­lien. Essentieller Be­standteil des Masterplans ist auch die För­derung der medien­didakti­schen und mediener­zieherischen Kompe­tenz in der zweiten Phase der Lehrerausbildung. Sie wurde zum integralen Be­standteil der Perso­nal­entwicklung erklärt.

In der Praxis sieht das heute so aus, dass bereits 2010 alle weiterführenden Schulen in Bremen mit jeweils zwei ActivBoards ausgestattet wur­den. Um die Lehramtsanwärter entspre­chend daran ausbil­den zu können, wurden 2012 auch für das Studienseminar interaktive Whi­te­boards angeschafft. „Die Ausbilder werden regelmäßig in Kursen im Umgang mit den ActivBoards so­wie der dazugehörigen Software, ActivInspire, geschult“, erklärt Britta Düsterhoff, Referentin für digitale Medien in der Schul- und Unter­richtsentwicklung am Zentrum für Me­dien. „Sie lernen also, die Boards fachdidaktisch in ihren Seminaren einzusetzen und erwerben gleichzei­tig die Kompetenz, den Lehramtsanwär­tern zu zeigen, wie sie damit arbeiten können. Außer­dem lernen sie, nicht nur die techni­sche, sondern vor allem die didakti­sche Qualität von interakti­ven Tafelbildern zu bewerten.“ Das Zentrum für Medien bietet an verschiedenen Stellen der Lehrer­ausbil­dung gezielt Schulungen für Refe­rendare an. Gleich zu Beginn der Ausbildung instal­lieren die Lehramtsanwärter ActivInspire auf ihren Computern, um den Umgang damit üben zu können. Dies ist mög­lich, da das LIS am Software-Lizenzpro­gramm für Lehrer in der Aus- und Fortbildung (SLLAF) von Promethean teilnimmt. Dieses Programm sieht vor, dass nicht nur die Institution selbst die Software verwen­den darf, sondern auch alle Ausbilder und auszu­bildenden Lehrer eine per­sönliche, kostenfreie Lizenz erhalten.

In den 18 Monaten ihrer Ausbil­dung werden die Lehramtsanwärter dann vor allem darin geschult, eigene interaktive Tafelbil­der zu entwi­ckeln. Auf diese Weise werden sie in die Lage versetzt, auf das jeweilige Fach und ihren ganz individuellen pädagogischen und didaktischen Stil zugeschnit­tene Materialien unter sinnvoller Einbindung multimedialer Inhalte zu kreieren, statt nur auf stan­dardisierte Verlagsvorlagen zurückzugreifen.

Der Mehrwert – die nächste Lehrerge­neration lernt schon mit

„Heute finden die Lehramtsanwärter an vielen Schulen interaktive Whiteboards vor, es ist ein wichtiger Baustein im zeitgemäßen Unterricht. Wir möchten, dass unsere Ausbildung hinsicht­lich dieses Medieneinsatzes so gut wie möglich ist“, sind sich Ballnus und Düsterhoff einig. „Und angesichts des sich ge­rade vollzie­henden Genera­tionswechsels bei den Lehrern ist jetzt der rich­tige Zeitpunkt, um mit einer guten medi­enpäda­gogischen und –didakti­schen Aus­bildung den Grundstein für eine Zu­kunft zu legen, in der das Lernen mit und über digitale Medien selbst­ver­ständlich ist.“

Damit wiederum wäre der Kammerlsche Teufels­kreis fehlender Medienbildung wohl end­gültig durchbrochen, denn die Schüler, die heute im Unterricht einen sinnvollen Einsatz der Medien kennenlernen und zu einem kompetenten Um­gang mit ihnen erzo­gen werden, sind bekanntlich die Lehrer von morgen.

Britta Düsterhoff, Referentin für digitale Medien in der Schul- und Unterrichtsentwicklung

Dr. Rainer Ballnus, Leiter des Zentrums für Medien

Landesinstitut für Schule der Freien Hanse­stadt Bremen